17. CineLatino großer, ausgelassener Publikumserfolg
„El vuelco de cangrejo“ (Der Krebs in der Falle)
von Óscar Ruiz Navia aus Kolumbien gewinnt den 6. „Premio
del Público Vivat Lingua!“ in Tübingen
Preisträger
Das semidokumentarische Spielfilmdebüt des Kolumbianers Óscar
Ruíz Navia über das Aufeinandertreffen von westlicher Zivilisation
und den Bewohnern eines abgelegenen Fischerdorfs am Rande des Regenwalds
erzielte den sechsten „Premio del Público Vivat Lingua!“,
der mit 1000 Euro dotiert ist und von der gleichnamigen Tübinger
Sprachschule gestiftet wird. Das Sieger-Debüt „El vuelco
de cangrejo“ überzeugte in der Konkurrenz zu fünf weiteren
Erst- oder Zweitlingsfilmen aus Spanien und Lateinamerika und kommt
aus dem Land, dem der diesjährige Länderfokus galt: Kolumbien. Länderfokus
Das diesjährige CineLatino bot einen spannenden Überblick über
die seit 2003 durch ein neues Filmgesetz rege Produktion Kolumbiens,
dem landschaftlichen paradiesischen Land zwischen Pazifik und Karibik.
Dokumentationen wie „La tierra se quedó“ von
Juan Sarmiento G, „La casa“ von Tayo Cortés, „Bagatela“ von
Jorge Caballero Ramos und beleuchteten verschiedene Aspekte des Lebens
in Kolumbien, Spielfilme wie „Perro come perro“ von
Carlos Moreno, „Riverside“ von Harold Trompetero
und der Gewinner des Publikumspreises rundeten die filmische Entdeckung
ab. Das Publikum
zeigte sein großes Interesse an den gesellschaftlichen Entwicklungen
in diesem südamerikanischen Land durch engagierte Diskussionen
nach dem Film.
Fazit
Obwohl beim 17. CineLatino auf Grund der von isländischen Vulkanasche
bedingten Flughafensperrungen einige Gäste nicht kommen konnten
(darunter auch der Preisträger Óscar Ruíz Navia),
war der Publikumszuspruch enorm: rund 20 Prozent mehr Zuschauer wollten
in Tübingen die Filme aus Spanien und Lateinamerika sehen, in
Stuttgart und Freiburg waren die Zahlen stabil. Der Festivalleiter
Paulo Roberto de Carvalho zeigt sich beeindruckt von der Resonanz: „Die
Balance zwischen anspruchsvollen Werken, Filmen fürs breite Publikum
und echten Klassikern kam beim Publikum großartig an. Zuschauer
aller Generationen und vor allem auch ein junges Publikum strömten
in die Filme, verbreiteten eine angeregte und entspannte Stimmung und
vermittelten unserem Festival eine begeisterte Zustimmung.“
Retrospektive
Zum ersten Mal zeigte das CineLatino eine so umfangreiche
Werkschau mit den zentralen Filmen eines Regisseurs. Die Programmkoordinatorin
des CineLatino Alba Fominaya freut sich über den Erfog: „Die
Retrospektive über den Altmeister Carlos Saura hat das große
Interesse an klassischen, wegbereiten Werken der Kinogeschichte gezeigt.
Sowohl Menschen, die Carlos Saura bereits kannten, als auch viele jungen
Leute, die vor allem auch durch die Zusammenarbeit mit der Tübinger
Universität Saura für sich zum ersten Mal entdeckt, zeigten
sich vom Frühwerk sich so fasziniert, dass sie sich konsequent
alle Filme anguckten. “.
Publikumsrenner
Die Highlights waren der Gewinner des diesjährigen Publikumspreises „El
vuelco de cangrejo“, der Abschlussfilm „Gordos“,
das neue Werk von Daniel Sánchez Arévalo, dem Macher
von DunkelBlauFastSchwarz, „Villa El Salvador Los constructores
del desierto“ von Jean Michel Rodrigo und Marina Paugam, „Carmen“ von
Altmeister Carlos Saura und der aufwühlende argentinische Film „El
secreto de sus ojos“ von Juan José Campanella, gerade
mit dem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet,
der vor ausverkauftem Haus das Festival sowohl in Tübingen als
auch in Stuttgart eröffnete mit minutenlangem Applaus gefeiert
wurde.
Veranstalter
Das Festival wird von den Filmtagen Tübingen e.V. in Zusammenarbeit
mit dem Atelier am Bollwerk Stuttgart, dem Club Voltaire Tübingen,
dem Dachverband der Lateinamerikanischen Vereine Stuttgart und dem
Kommunalen Kino in Freiburg veranstaltet.
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