Werkschau Alain Guiraudie

Wenn in Frankreich Komödien einen Hang zum beiläufig Absurden haben, werden sie mitunter „guiraudesque“ genannt. Von unserem diesjährigen Tübinger Ehrengast Alain Guiraudie wird also schon ein Adjektiv abgeleitet. In Deutschland ist er noch unbekannt, in Frankreich gilt er als Meister der Groteske. In seinen Phantasiewelten bewegen sich Banditen, Hirten und Söldner, die aber nicht für einen Humor wie bei Monty Pythons stehen, sondern für unsere mit sozialen Konflikten durchtränkte Realität. Dazu gehört immer ein Schuss Erotik, nur ist bei ihm die Erotik so banal wie z. B. eine auseinandergebaute Maschine. In manchen seiner Filme stellt der eine dem anderen nach, so auch in seinem aktuellen Film „Le roi de l’évasion“: Eine junge Schöne wird von einem stockschwulen übergewichtigen Traktorverkäufer umworben, der wiederum von einer Gruppe älterer Heteros begehrt wird. Guiraudie führt federleicht das Absurde ad absurdum.  

voici venu le temps
die zeit ist gekommen

regie: Alain Guiraudie | F 2005 | 92 min | OmeU

Im Phantasieland Obitanien wird die junge Aube von dem Banditen Manjas-Kébir entführt. Ihr Vater engagiert Fogo Lompla, einen herumziehenden Söldner, sie zu befreien. Allerdings kommt ihm manchmal ein verführerischer Liebhaber dazwischen …

museum 2 fr 30 | 22.30
atelier tübingen di 03 | 18.00

 

le roi de l’évasion
king of escape

regie: Alain Guiraudie | F 2009 | 97 min | OmdU

Armand, ein rustikaler 43-jähriger Traktorverkäufer, erträgt sein homosexuelles Junggesellendasein nicht mehr. Mit Curly, einem jungen attraktiven Mädchen, beginnt ein neues Kapitel in seinem Leben. Die beiden frönen ihrer Liebe, beflügelt von einem besonderen Kraut, werden aber, da Curly noch minderjährig ist, von der Polizei gejagt. Eine burleske Komödie, die jedes neue Klischee ad absurdum führt.

studio museum so 01 | 18.00
museum 1 mo 02 | 17.30
arsenal mi 04 | 17.45
 

pas de repos pour les braves
wer schläft, der stirbt
regie: Alain Guiraudie | F/A 2003 | 108 min | OmeU

Basile hat im Traum gesehen, dass er sterben wird, wenn er noch einmal im Leben einschläft. Igor, der kein Geld hat, interessiert sich für die Geschichte, und auch der Draufgänger Johnny wird neugierig. Wie ein Detektiv versucht er, den Dingen auf den Grund zu gehen.

atelier tübingen do 29 | 18.00
atelier tübingen mi 04 | 22.00
  PROGRAMM 1
 

les héros sont immortels
die helden sind unsterblich

regie: Alain Guiraudie | F 1990 | 16 min | OmdU

In einer französischen Kleinstadt treffen sich vor einem Kirchenportal an mehreren aufeinanderfolgenden Nächten zwei leger gekleidete junge Männer. Es sind Journalisten,
die auf einen gewissen Machin warten, von dem die Zukunft ihrer Zeitschrift La Coquille abhängt.

arsenal mo 02 | 22.30
 


du soleil pour les gueux
sonne für die bettler

regie: Alain Guiraudie | F 2000 | 55 min | OmeU

An einem Sommervormittag trifft Nathalie, eine junge arbeitslose Friseurin, auf einem großen Kalksteinplateau den Hirten Djema, der gerade seine Tiere verloren hat. Das junge Mädchen hilft ihm bei der Suche, und plötzlich treffen sie auf zwei Banditen …

arsenal so 01 | 15.30
arsenal mo 02 | 22.30
  PROGRAMM 2 studio museum di 03 | 22.00
 

tout droit jusqu’au matin
geradeaus bis zum morgen

regie: Alain Guiraudie | F 1994 | 10 min | OmdU

Eine nächtliche Straße in Villefranche. Ein Maler malt heimlich die Stadt rot an, wird entdeckt und läuft vor einem jungen Mann davon. Dieser geht durch die Stadt und hält einen Dialog mit einem fiktiven Henri und spricht von den großen Fragen des Lebens: Braucht man Arbeit um glücklich zu sein?

 

la force des choses
die kraft der dinge

regie: Alain Guiraudie | F 1997 | 16 min | OmdU

Drei seltsame Männer treffen in einem nebelverhangenen Wald im westlichen Uranien aufeinander. Sie diskutieren über die Liebe, und plötzlich findet einer eine gefesselte Frau. Ihr Kidnapper flieht und tappt in seine eigene Falle.

 

 

ce vieux rêve qui bouge
der alte, sich bewegende traum

regie: Alain Guiraudie | F 2001 | 50 min | OmeU

Ein junger Spezialist kommt in eine stillgelegte Fabrik, um eine Maschine zum Abtransport auseinander zu nehmen. Er regt die Phantasie und Sehnsüchte der noch verbliebenen Arbeiter an und bringt sie aus dem Gleichgewicht. Erotische und melancholische Tagträume in Zeiten der Massenentlassungen.