1997


Zitate:

“Hut ab
Bonjour Tristesse: Nicht viel übrig blieb vom üblichen Luftschnappen der Filmtage unter freiem Himmel. Damit der Tübingen-Trip des Berliner Perkussionisten Steven Garling (der, wie uns der Mann im Rüschenhemd fröhlich weismachen wollte, via Zaire führte) nicht ganz umsonst war, verlegte man wenigstens René Clairs sieben Jahrzehnte alte Labiche-Adaption „Un chapeau de paille d'Italie“ vom Hitnerhof der Stiftskirche ins trockene Museums-Studio. Ohne das Freiluft-Flair blieb es am Donnerstag freilich bei einer Art Privatvorstellung. Die aber war wunderbar.
Anders als der stummfilmbewährte Mann am Klavier muß der Schlagwerker ohne klangfarbig schwelgerische Tonalität zupaßkommen. Garling zeigte, daß Perkusison viel mehr sein kann als nur Geräuschkulisse und Taktverhalten.
So wie Clair der schnurrenden Vaudeville-Komik gehörige Beine macht, galoppieren Trommelstab, Becken und Hi-Hat rund um den frivolen „Florentinerhut“, wie er von einem Kutschgaul angefressen wird und so für heillose Verwirrung sorgt, im kecken, mitunter gewitternden Gleichschritt mit. Garling steigert geschickt das Vergnügen, verdichtet illustrativ, während die Farce imemr tiefer ins Irrwitzige hineinstolpert. Da wird dann auch der Surrealist Clair deutlich: Die Bilder wischen und rasen – als das Kino nach dem Laufen auch noch rennen lernte.”
Schwäbisches Tagblatt, 24. Juni 1997, wit

“Den mit 10.000 Mark dotierten Publikumspreis des Festivals, die “Fliegende Kamera”, gestiftet vom Handels- und Gewerbeverein Tübingen und dem schwäbischen Tagblatt, erhielt der Film “ist die Erinnerung wasserlöslich?” von Charles Najman. Der Regisseur portraitiert darin seine Mutter Solange Najman, die das KZ Bergen-Belsen überlebt hat. Doch bei aller Verbitterung zeigt er eine vitale, lebensfrohe Frau, die trotz alledem das Leben zu genießen weiß.”
Filmecho-Filmwoche, 05.07.97