Zitat:
„
Die Entlarvung der alltäglichen Lügen
Zur Reihe mit Rohmer-Filmen im Rahmen der Französischen Filmtage in
Tübingen
Fünfmal Eric Rohmer im Programm der Tübinger Filmtage, fünfmal
Begegnung mit jenem Mitglied der „Fünferbande“ aus Godard,
Rivette, Truffaut, Chabrol und eben Rohmer, die in den fünfziger Jahren
die „Nouvelle Vague“ prägten. Eric Rohmer blieb als einziger
seinen damals postulierten Idealen treu, machte keine der Kinomoden mit,
hielt auch die Produktion seiner bislang 16 Spielfilme immer in einem Rahmen,
die ihm die Kontrolle über jeden einzelnen Herstellungsschritt erlaubte.
Seine Filmfiguren waren ihm immer wichtiger als der Erfolg seines Werkes,
der sich dann auch in Grenzen hielt. Wer aber noch Augen zum Sehen hat,
der erkennt in Rohmers Filmen eine unnachahmliche Art, etwas zu zeigen,
was man doch eigentlich nicht zeigen kann: Wünsche, Hoffnungen Irrtümer,
Träume, Begierden, Enttäuschungen. Rohmer zeigt es dennoch, nicht
durch großartige Dekors, nicht durch aufwendige technische Tricks,
sondern mit durchkomponierten, möglichst einfachen Bildern, ausdrucksstarken
Darstellern und leider oft zu sehr an das Theater erinnernden Dialogen.
Die Auswahl der fünf in Tübingen laufenden Filme lässt Lücken
offen. Zwar ist mit „Im Zeichen des Löwen“ Rohmers erster
Film aus dem Jahr 1959 zu sehen, dann aber macht das Programm einen Sprung,
lässt die „Sechs moralischen Erzählungen“, jene Filmreihe
von 1962 bis 1972 mit Werken wie „Die Sammlerin“, „Claires
Knie“ und „Meine Nacht bei Maud“ aus, überspringt
auch „Die Marquise von O.“ und „Perceval le gallois“ und
präsentiert auch Rohmers neue Filmreihe „Komödien und Sprichwörter“ nicht
komplett.”
uw, Reutlinger General Anzeiger, 15.06.1987
|