Zitat:
„ Erstmals findet in der Bundesrepublik ein französisches Filmfestival
statt: Bei den 1. Französischen Film- und Kulturtagen in Tübingen zeigt
eine Gruppe von vier Tübingern und einem Franzosen bis Sonnabend 19 französische
Filme.“
Schwäbische Donau Zeitung
Zitat:
„ [...] Erfreuliche Begleiterscheinung ist auch eine Vergrößerung
der Tübinger Stadtbibliothek: Hundert Bände über den französischen
Film stiftete ihr nämlich Hélène Fould, Direktorin der französischen
Verlegergemeinschaft, angeregt und begeistert vom Festival. Stiften ging mit
weniger positiven Eindrücken dagegen einer der französischen Gäste,
der eigentlich besonders geehrt werden sollte. Mocky, dessen Filme als gebündelte
Werkschau im Programm standen, war sauer. [...]“
Schwäbisches Tagblatt,
9.7. 1984 |
Pierre Achour erinnert sich
“
In Wahrheit fand das erste Festival, das in der Region dem französischen
Film gewidmet war, 1983 in Reutlingen statt. Bei den vielen Erinnerungen,
die mir aus dieser Zeit geblieben sind, ist mir Renate Overbeck am präsentesten.
Sie unterrichtete an der FHS und hat mir beim Übersetzen und Dolmetschen
geholfen. Aber Stück für Stück ist sie vollständig
ins Festival eingetaucht und ich sehe sie noch manchmal vor mir, wie sie ängstlich
ihre Studentinnen überwachte, die während der Filmvorführung
die von ihnen während des Unterrichts vorbereiteten Zusammenfassungen
der Drehbücher lasen. Wir waren damals so arm! So arm, dass weder
die Finanzierung von Untertiteln noch die Bezahlung der Fahrt von Gérard
Depardieu in Frage kam, genauso wie ein „standesgemäßes“ Zimmer
für Daniel Vigne, der uns am selben Tag drohte, das Festival zu verlassen,
falls wir kein Zimmer für ihn gefunden hätten, das seinen Quadrat-Meter
Erwartungen entspricht. Jeder hat diskret die Hand in seine eigene Tasche
gesteckt und Geld dazu gegeben, damit die Ehre des Festival gerettet
wurde.
Im Jahr danach sind wir nach Tübingen umgezogen. Wir waren genauso
arm wie früher, aber das Team war voller Energie und Enthusiasmus.
Es wurde von Michael Friederici angeführt, der bereit war sich mit
drei Kerlen zusammenzutun, die Alkohol und lange Nachtschichten gut vertrugen
(das war eine der Einstellungsvoraussetzungen) :Heinz Ley, Egon Nieser
und Stefan von Moers.
Dann wurde das Team allmählich größer. Da wir jemanden
brauchten, um Ordnung in die Sache zu bringen, brachte eines Tages Vigo
einen wortkargen blonden Typ mit, der uns sofort mit seinen Statistiken
beeindruckt hat, die er uns am Ende jedes Festivals vorstellte. Das war
Dieter Betz. Dann sind die Leute eingestiegen, die noch bis heute die
Hauptachse des Festivals bilden: Stefanie Schneider, Andrea Lelan und
Bärbel Mauch. Einige Leute haben sich inzwischen vom Festival abgewendet:
Jean.-Michel Sidaine. Andere Leute sind im Jahr meines Aufbruchs und
nachher eingestiegen. Denn ich musste gehen.. Das alles war für
einen Ehrenamtlichen, der in Nancy arbeitete, in einer Zeit als Internet
und Fax noch nicht erfunden waren, viel zu schwer geworden.
Nach fünf Jahren mit teuflischen Nächten und heißen Schwüren
im Morgengrauen „à la vie, à la mort“(auf das
Leben, auf den Tod), die immer schwerer wogen als Geldsorgen, Probleme
bei der Filmbeschaffung, oder sonstige Eitelkeiten, bin ich mit dem Gefühl
gegangen, dass ich meine Pflicht erfüllt habe. 17 Jahre später
bin noch mal für 3 Jahre in diesen Hexenkessel gestiegen. Aber das
ist eine ganz andere Geschichte. Die erzähle ich Ihnen anlässlich
des 50er Geburtstags.”
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