Zitat:
“Flucht in den Norden
Regisseur Denis Côté zu Gast bei den Französischen Filmtagen
Europa meint es gut mit Denis Côté. Sein Spielfilmdebüt „Die
nördlichen Staaten“ verfehlte nur knapp den Wettbewerb in Cannes,
wurde dafür aber im Gegenzug in Locarno mit dem Hauptpreis des Festivals
ausgezeichnet. Anschließend lief der Film auf der Viennale, in Gent und
in Hof, nun ist er im Programm der Französischen Filmtage, Thessaloniki
und Belfort werden folgen. Mit diesem Erfolg war nicht zu rechnen, denn „Die
nördlichen Staaten“ ist ein Low-Budget-Film mit einem ausgeprägt
lokalen Bezug.
„ Mein Film hat gerade einmal 60 000 Euro gekostet, das Team umfasste sieben
Leute, das Drehbuch hatte zwei Seiten“, erzählt der junge Kanadier. „Wir
hatten den Film als einen sehr lokalen Film gedacht, aber plötzlich gehörte
'Die nördlichen Staaten' zu den letzten vier kanadischen Produktionen, die
in der engeren Wahl für den Wettbewerb in Cannes waren, neben den neuen
Filmen von Atom Ergoyan und David Cronenberg. Auch, wenn es nicht langte, dachte
ich: Wow, der Film scheint doch wesentlich mehr Leute zu bewegen, als ich zu
hoffen wagte!“
Mit seinem Film hat sich Côté zwischen alle Stühle
gesetzt, er bezeichnet seinen Film selbst als „Ufo“, denn
es handelt sich um eine ungewöhnliche Mischung aus Roadmovie, Dokumentarfilm,
versetzt mit ein paar Gramm Krimi. Er zeigt einen Mann auf der Flucht,
der seine kranke Mutter erst gepflegt und dann getötet hat.”
Stuttgarter
Zeitung, 31. Oktober 2005, Ulrich Kriest |