Zitat:
“Mehdi Charef
Ganz unten ist die Zärtlichkeit
Vor 15 Jahren war Mehdi Charef ein Star. Sein Debütfilm „Tee
im Harem des Archimedes“ schlug in Frankreich wie eine Bombe ein.
Mit drastischem Realismus schilderte der damals 32-Jährige das Leben
zweier Jugendlicher in einer trostlosen Pariser Vorstadt, das Elend ebenso
wie ihre Träume und Utopien. Für die so genannten Beurs, die
in Frankreich aufgewachsenen Kinder maghrebinischer Einwanderer, war
der Film ein Fanal. „Sie haben sich darin wiedererkannt“,
sagt Charef, „er hat ihnen Selbstbewusstsein vermittelt“ -
und einen festen Paltz in der kulturellen Öffentlichkeit Frankreichs.
Auch für die Mächtigen im Land war der Film ein Sprengsatz,
weil erstmals klipp und klar ausgesprochen wurde, dass die arabischen
Immigranten nicht die Absicht hatten, in ihre Heimat zurückzukehren. „Sie
mußten erkennen, dass es uns gibt und dass man mit uns auskommen
muss.“ Der damalige Kultusminister Lang, erinnert sich Charef,
saß nach einer Vorführung minutenlang stumm und in sich versunken
auf seinem Stuhl. Ihm sei wohl klar geworden, dass die Verhältnisse
in den von der Politik vernachlässigten Vorstadt-Ghettos nicht mehr
totzuschweigen waren. „An dem Abend habe ich gemerkt, dass ich
einen politischen Film gemacht hatte.“
Klaus-Peter Eichele
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