2001


Mehdi Charef

Zitat:

“Mehdi Charef
Ganz unten ist die Zärtlichkeit
Vor 15 Jahren war Mehdi Charef ein Star. Sein Debütfilm „Tee im Harem des Archimedes“ schlug in Frankreich wie eine Bombe ein. Mit drastischem Realismus schilderte der damals 32-Jährige das Leben zweier Jugendlicher in einer trostlosen Pariser Vorstadt, das Elend ebenso wie ihre Träume und Utopien. Für die so genannten Beurs, die in Frankreich aufgewachsenen Kinder maghrebinischer Einwanderer, war der Film ein Fanal. „Sie haben sich darin wiedererkannt“, sagt Charef, „er hat ihnen Selbstbewusstsein vermittelt“ - und einen festen Paltz in der kulturellen Öffentlichkeit Frankreichs.
Auch für die Mächtigen im Land war der Film ein Sprengsatz, weil erstmals klipp und klar ausgesprochen wurde, dass die arabischen Immigranten nicht die Absicht hatten, in ihre Heimat zurückzukehren. „Sie mußten erkennen, dass es uns gibt und dass man mit uns auskommen muss.“ Der damalige Kultusminister Lang, erinnert sich Charef, saß nach einer Vorführung minutenlang stumm und in sich versunken auf seinem Stuhl. Ihm sei wohl klar geworden, dass die Verhältnisse in den von der Politik vernachlässigten Vorstadt-Ghettos nicht mehr totzuschweigen waren. „An dem Abend habe ich gemerkt, dass ich einen politischen Film gemacht hatte.“
Klaus-Peter Eichele