Rückblick - 23. Französische Filmtage 2006: Junger frankophoner Film zieht Zuschauer in Bann

Schwungvolle Beziehungskomödien und spannungsgeladene Psychothriller sorgten bei den 23. Französischen Filmtagen für einen großen Publikumerfolg - generationübergreifend. Mehr als 13000 Zuschauer tauchten in die Welt des frankophonen Films ein.

Sechs Preise wurden verliehen:

Erster Deutsch-Französischer Jugendpreis an "13 Tzameti"

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr der Preis der deutsch-französichen Jugendjury verliehen. Sieben Studenten aus Deutschland und Frankreich, eingeladen vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) und dem frankophonen Fernsehsender TV5Monde, haben sich für ein eindrucksvolles Debüt entschieden: 13 Tzameti von Gela Babluani. Der 1979 in Tbilissi in Georgien geborene Regisseur ging 17jährig nach Paris. Sein düsterer, schonungslos spannender Thriller über die perversen Spiele einer Geheimgesellschaft beeindruckte die Jugendlichen als dem künstlerisch gelungensten Film.
Begründung: "Der zeitlose Film entführt den Zuschauer in eine düstere Welt der Ungewissheit. Fasziniert und abgestoßen zugleich wird er ungewollt zum Voyeur eines tödlichen Roulettes. Die Kraft der atmosphärischen Schwarz-Weiß Bilder hinterlässt seine Spuren."
TV5Monde unterstützt die deutsche Kinoauswertung des Gewinners mit 5000 € in Form von Werbemitteln.

An 13 Tzameti von Gela Babluan geht auch der erste Untertitelungs-Preis für den das Hamburger Unternehmen "subs" eine Filmuntertilung für den Filmstart in den deutschen Kinos stiftet.

An La tourneuse de pages von Denis Dercourt geht der Verleihförderpreis, gestiftet vom französischen Filmexportverband Unifrance und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG). Die Jury bestand aus: Claudine Sulyok, MFG; Peter Erasmus, Kinobetreiber in Stuttgart und Wilfried Reichert, Journalist, Filmproduzent und ehemaliger Leiter der WDR-Filmredaktion. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis soll den Verleih dabei unterstützen, den Film La tourneuse de pages in Deutschland in die Kinos zu bringen.
Begründung: "Die Geschichte einer Rache inszeniert Denis Dercourt in der Tradition Claude Chabrols. Französisches cinéma de qualité; schnörkellose mise en scène, ausdrucksstarke schauspielerische Präsenz. Die Schönheit und der hintergründige Horror der Provinz schaffen eine Spannung, die durch besondere musikalische Akzentuierung ihren eigenen Reiz erhält."
Der 15. Tübinger Publikumspreis geht an die gefühlvoll gezeichnete Studie einer ungewöhnlichen Ménage à trois Sept Ans von Jean-Pascal Hattu. Inspiriert von einem Dokumentarfilm über eine Gefängniswärterin drehte der 1962 geborene Pariser Hattu seinen ersten Spielfilm über ein kompliziertes Beziehungsgefüge durch Gefängnismauern hindurch.
Der Regiepreis ist mit 3.500 Euro dotiert, die von den"Vereinigten Lichtspielen" und den "Arsenal Kinobetrieben" gestiftet werden.

Zum ersten Mal wird der von der Landeshauptstadt Stuttgart gestiftete Stuttgarter Publikumspreis verliehen. Die Stuttgarter Zuschauer entschieden sich für La vraie vie est ailleurs des jungen Schweizers Fréderic Choffat: ein leichter Liebesreigen über drei junge Menschen, die sich am Genfer Bahnhof in den Zug steigen und auf ihren nächtlichen Fahrten schicksalhafte Begegnungen erleben.
Die Landeshauptstadt Stuttgart stattet diesen Regiepreis mit 2500 Euro aus.

Den Preis des Verbands der Deutschen Filmkritik, vergibt die Jury, bestehend aus Dr. Gerald Koll, Bodo Schönfelder und Marc Hairapetian, ebenfalls an 13 Tzameti von Gela Babluani (Foto).
Begründung: "Der Film steht in der besten Tradition des französischen Film Noir. Ungewöhnlich für die heutige Zeit ist die Schwarzweißfotografie, die mit gezieltem Spiel von Licht und Schatten Physiognomien modelliert. Die Geschichte geht vom Elend der Arbeitsemigranten in Paris aus und versucht mit den Mitteln des Genres-Kinos, Alltagsrealität und scheiternde Träume eines besseren Lebens zu visualisieren. Mit für einen Nachwuchsregisseur erfreulicher Kompetenz und Stringenz, die in ihrer ästhetischen Umsetzung nicht poetischer und surrealer Momente entbehrt, werden die Erfahrungen eines jungen Ausländers, der sich einem barbarischen Reglement - dem russischen Roulette - ausliefert aufgefaltet bis zu ihrem fatalen Ende."

Eine lobende Erwähnung spricht die Jury für den französischen Dokumentarfilm
La Consultation von Hélène de Crécy - ein Panorama der Gesellschaft im Sprechzimmer eines Arztes.
Begründung: "Es ist uns ein Anliegen, einen Film zu erwähnen, der gleichermaßen mutig, spannend, intensiv, beherzt und außerdem dezent und human ist.
Wir möchten einer Regisseurin unseren Respekt dafür aussprechen, mit welcher Direkt heit und Konsequenz sie uns am Alltag eines Mannes teilhaben lässt, der mehr ist als ein Hausarzt, sondern darüberhinaus ein Seelsorger und Ratgeber.."

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