Die Tübinger Festival-Preise 2005

Verleihförderpreis
für den Verleih eines französischen Films:
bis zu 20 000 €
gestiftet von der
MFG - Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg und
Unifrance
Jury: Claudia Knött, Wolfgang Dittrich-Windhüfel, Dr. Josef Schnelle

"Le petit lieutenant" von Xavier Beauvois
Begründung:"Im Stile des "cinéma vérité" beschreibt der Film den harten Polizeialltag in der Metropole Paris. Der Regisseur lässt den Figuren Raum, sich zu entwickeln und von sich selbst zu sprechen. Die hervorragenden darstellerischen Leistungen von Nathalie Baye, Jalil Lespert und Roschdy Zem runden einen spannenden und realistischen Film ab, der als Gesellschaftsportrait über das klassische französische Genre des Polizeifilms weit hinaus geht."

Eine undotierte besondere Empfehlung spricht die Jury für die belgische-französische Produktion Quand la mer monte von Yolande Moreau und Gilles Porte aus.
Begründung: "Der Film erzählt eine außergewöhnliche Liebesgeschichte und zeichnet sehr liebevoll das Portrait einer besonderen Frau. Dem Regieduo gelingt es, die Geschichte einer Kleinkomödiantin in der französischen Provinz in überzeugender und berührender Weise auf die große Leinwand zu bringen. Wir sind sicher, dass der Film ein großes Publikum erreichen kann."

Publikumspreis "Die Fliegende Kamera"
5000 €, gestiftet von
Vereinigte Lichtspiele Tübingen
und
Bewegte Bilder Medien AG

"Ouaga Saga" von Dani Kouyaté
Der äußerst beschwingte Film über eine Gruppe Jugendlicher, die in Ouagadougou ihre Träume verwirklichen will, ist der Gewinner des Publikumspreises. Der 1961 geborene Regisseur Dani Kouyaté drehte einen optimistischen Film über Hoffnung, Beharrlichkeit und Humor, mit denen die Jugend den oft widrigen Umständen des afrikanischen Alltags trotzt.

Preis der Jugendjury
2500 €, gestiftet von
Vereinigte Lichtspiele Tübingen

"L'Iceberg" von Dominique Abel, Fiona Gordon und Bruno Romy
Die originelle, zugleich lustige und berührende Geschichte, die ausdrucksstarke Bildsprache und die hervorragende schauspielerische Leistung überzeugte die neun Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren, die aus sechs aktuellen Filmen ihren Favoriten auswählten.
Begründung: "L'Iceberg setzt sich auf ungewöhnliche Art und Weise mit gesellschaftskritischen Themen auseinander. Ohne viele Worte gelingt es den drei Regisseuren, den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen und gleichzeitig verschiedene Möglichkeiten zur Interpretation zuzulassen."

Kritiker-Preis
des Verbandes der Deutschen Filmkritik
Jury: Kirsten Dyrda, Lutz Gräfe, Jörg Taszman

"L'enfant endormi" von Yasmine Kassari
Begründung: "In Zeiten, in denen Bilder verzweifelter Männer vor den Zäunen der europäischen Enklaven in Nordafrika die Fernsehnachrichten dominieren, richtet die Filmemacherin den Blick auf die, die zurückbleiben. In kraftvollen Bildern, die ihre ganze Wirkung erst auf der großen Leinwand entfalten, schildert Yasmine Kassari den monotonen Dorfalltag der Frauen und Kinder im Nordosten Marokkos. Ihr Leben wird immer noch von traditionellen Wertvorstellungen geprägt, die es ihren Männern erlauben, sie auch aus der Ferne zu kontrollieren."

Eine lobende Erwähnung spricht die Jury für die belgisch-französische Koproduktion Quand la mer monte von Yolande Moreau und Gilles Porte aus.
Begründung: "Dem mit lakonischem Humor erzählten Film gelingt eine überzeugende Verschmelzung von Schauspielerkino und Theater."